Home · Sitemap · Impressum


Akkreditiert nach
DIN EN ISO/IEC 17 025
DIN EN ISO 15 189
 
Deutsche Akkreditierungsstelle D-ML-17120-01-00 D-PL-17120-01
 
FDA-Registrierung
3002965587
 
Letzte Aktualisierung:
29.11.2013

Vergleich der neuen Präparate

In den letzten Jahren sind einige neue Antikoagulanzien auf den Markt gekommen, deren Wirkung sich mit den etablierten Gerinnungsuntersuchungen nicht oder nur unzureichend überprüfen lässt. Da es sich um vollkommen neue Substanzklassen handelt, liegen kaum Daten von verwandten Substanzen vor.

Im Folgenden haben wir für Sie einige Informationen aus der aktuellen Literatur und den Fach-Informationen der einzelnen Präparate zusammen gestellt.

Tabellen, die wir von der Firma Roche Diagnostics®  übernommen haben, stammen vom Januar 2012 und wurden in Zusammenarbeit mit Frau Prof. Dr. E. Lindhoff-Last, Leiterin Schwerpunkt Angiologie/Hämostaseologie, Johann-Wolfgang-Goethe Universitätsklinikum Frankfurt a.M. und Herr Prof. Dr. D. Peetz, Chefarzt des Instituts für Labormedizin, HELIOS Klinikum Berlin-Buch, erstellt. Die Daten für Apixaban wurden im Juli 2013 angefügt.

Aufgrund der neuen Wirkmechanismen und der kurzen klinischen Erfahrung und bislang fehlenden Antidote ist ständig mit neuen Erkenntnissen zu rechen.


Die Daten erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die Datenbasis zu den neuen Antikoagulanzien erweitert sich ständig.

 

Bitte beachten Sie zusätzlich zu den hier aufgeführten Empfehlungen in jedem Fall auch die aktuelle Fach-Info bzw. weitere Informationen des jeweiligen Herstellers.


 

ausführlichere Informationen zu einigen neuen oralen Antikoagulanzien NOAC

>Argatroban (Argatra®) (folgt)

Lepirudin( Refludan®) (folgt)

⇒Dabigatran (Pradaxa®)

Fondaparinux (Arixtra®) (folgt)

⇒Rivaroxaban (Xarelto®)

⇒Apixaban (Eliquis®)



Vergleich der neuen Antikoagulanzien

© Roche Diagnostic 01/2012 (s. o.)

Antikoagulans

Wirkmechanismus

Dosierung

HWZ

Spitzenspiegel

Elimination

Argatroban
Argatra®

direkter IIa-Inhibitor
reversibel

i.v. Dauerinf.
gewichtsadaptiert

45 min

kein Peak

hepatisch

Lepirudin
Refludan®

direkter IIa-Inhibitor
irreversibel

i.v. Dauerinf.
gewichtsadaptiert

1-2 h

kein Peak

renal

Dabigatran
Pradaxa®

direkter IIa-Inhibitor
reversibel

oral
(150 mg/d)
220 mg/d

14 h

nach 1,5 h

renal

Fondaparinux
Arixtra®

indirekter Xa-Inhibitor
(AT-vermittelt)

s.c.
Proph. 1,5-2,5 mg/d
Th. 5-7,5 (10) mg/d

15 h

nach 2 h

renal

Rivaroxaban
Xarelto®

direkter Xa-Inhibitor

oral
20mg/d

9 h

nach 2 h

hepatisch /
renal 33%

Apixaban
Eliquis®

direkter Xa-Inhibitor

oral
10mg/d

12 h

nach 3-4 h

hepatisch /
renal 27%


Antikoagulans

Wirkspiegel1)

Monitoring

Indikation

HIT II

Argatroban
Argatra®

Proph. k. Zul. (0,3-0,5 µg/ml2), 3))
Th. 0,5-1,0 µg/ml2)

Chromogene ECT,
Anti IIa-Aktivität

Therapie HIT II

zugelassen

Lepirudin
Refludan®

Proph. k. Zul. (-0,5 µg/ml2), 3))
Th. 0,5-1,0 µg/ml2)

Chromogene ECT,
Anti IIa-Aktivität

bei akutem HIT II
mit thromboemb. Komplikationen

zugelassen, aber keine wiederholte Anwendung

Dabigatran
Pradaxa®

P(VTE): 0,035 – 0,162 µg/ml4)
P (VHF):0,117 – 0,275 µg/ml4)

Hemoclot®-Thrombin-Inhibitor-Test

Prävention einer VTE nach HTEP/KTEP
Prophylaxe bei VHF

keine Zulassung

Fondaparinux
Arixtra®

Proph. k. Zul. (0,2-0,7 µg/ml)
Th. 0,7-1,8 µg/ml

Anti Xa-Aktivität
spezielle Kalibration

Therapie & Prophylaxe
bei akuter TVT, LE,
ACS ohne Interventionsbedarf

keine Zulassung

Rivaroxaban
Xarelto®

184-343 µg/l5)

Anti Xa-Aktivität
spezielle Kalibration

Prävention e. VTE nach HTEP/KTEP

Prophylaxe bei VHF

keine Zulassung

Apixaban
Eliquis®

P (VHF): 1,36-4,79 IU/ml6)
Th. keine  Zulassung

Anti Xa-Aktivität
spezielle Kalibration

Prophylaxe bei VHF

keine Zulassung

Für alle aufgeführten Antikoagulanzien ist aktuell kein Antagonist verfügbar.

1)

Cave: Einheit µg/ml und nicht IU/ml wie bei LMWH/UFH. alle Wirkspiegel-Angaben sind nicht evidenzbasiert. Sie beruhen auf klinischen Erfahrungen von Fr. Prof. Lindhoff-Last (Leiterin Schwerpunkt Angiologie/Hämostaseologie, Johann-Wolfgang-Goethe Universitätsklinikum Frankfurt a.M.), Ausnahme Dabigatran & Rivaroxaban

2)

über chromogene ECT gemessen.

3)

Prophylaktische Gabe außerhalb der Zulassung

4)

Quelle Fachinfo Pradaxa 11/2011

5)

EMA/42547/2012 S. 5/53

6)

Mani et al Klinikarzt 2013;42(S1):40-46

 

 



Beeinflussung der gängigen Gerinnungstests

© Roche Diagnostic 01/2012 (s. o.)

Antikoagulans

Dosierung

PTT4)

TPZ (Quick)4)

   TZ   

Fibrinogen4)

AT

D-Dimere

vWF:Ag

 

 

   %   

INR

 

derived

Clauss

IIa

Xa

Argatroban
Argatra®

Prophylaxe2)

↑/↑↑

↑↑5)

↑↑↑

↔/↑

Therapie

↑↑

↓↓

↑↑↑5)

↑↑↑

↑↑

↓↓

Lepirudin
Refludan®)

Prophylaxe2)

↑/↑↑

↔/↓

5)

↑↑↑

↔/↑

↔/↓

↔/↑

Therapie

↑↑

↑↑5)

↑↑↑

Dabigatran1)
Pradaxa®

Prophylaxe

↑/↑↑

↑↑↑

↔/↑

 

Therapie3)

↑↑

↓↓

↑↑

↑↑↑

↔/↓

 

Fondaparinux
Arixtra®

Prophylaxe

Therapie

↔/↑

Rivaroxaban1)
Xarelto®

Prophylaxe

↔/↑

↔/↑

Therapie

↓↓

↑↑

 

Apixaban1), 6)
Eliquis®

Prophylaxe

für freie Felder liegen derzeit keine Literaturangaben vor

1)

Ausmaß der Beeinflussung hängt von der Zeitspanne zwischen Tabletteneinnahme und Blutentnahme ab; Beurteilung der Beeinflussung hier entsprechend der Spitzenspiegel

2)

keine Zulassung für Prophylaxe; Angaben für Einsatz im klinischen Alltag außerhalb der Zulassung

3)

bisher keine Zulassung zur Therapie thromboembolischer Ereignisse; Angaben für Einsatz außerhalb der Zulassung

4)

Ausmaß der Beeinflussung von PTT, TPZ und Fibrinogen hängt vom jeweilig eingesetzen Reagenz ab

5)

INR-Beeinflussung unter Vitamin K-Antagonisten-Therapie deutlich stärker ausgeprägt

6)

Mani et al Klinikarzt 2013;42(S1):40-46



Beeinflussung der Einzelfaktorbestimmung

© Roche Diagnostic 01/2012 (s. o.)

Antikoagulans

Dosierung

Einzelfaktoren (clotting)4)

Faktor XIII

II

V

VII

VIII

IX

X

XI

XII

chromogen

immunologisch

Argatroban
Argatra®

Prophylaxe2)

↓/↓↓

↓/↓↓

↓/↓↓

Therapie

↓↓

↓/↓↓

↓↓↓

↓↓↓

↔/↓

↓↓↓

↓↓/↓↓↓

↓/↓↓

Lepirudin
Refludan®

Prophylaxe2)

↔/↓

↔/↓

Therapie

↓↓↓

↓↓/↓↓↓

↓↓/↓↓↓

↓↓

↓/↓↓

Dabigatran1)
Pradaxa®

Prophylaxe

↔/↓

↓↓

↓↓

↔/↓

↓↓

↓↓

Therapie3)

↔/↓

↓↓

↓↓↓

↓↓↓

↓↓↓

↓↓/↓↓↓

↓↓↓

Fondaparinux
Arixtra®

Prophylaxe

↔/↓

↓/↓↓

↓/↓↓

↓↓

↔/↓

Therapie

↔/↓

↔/↓

↓↓

↓↓

↓↓/↓↓↓

Rivaroxaban1)
Xarelto®

Prophylaxe

↔/↓

↔/↓

↓/↓↓

↔/↓

Therapie

↓↓

↓↓

↓↓

↓↓/↓↓↓

↓/↓↓

↓↓/↓↓↓

↓↓

Apixaban1), 5)
Eliquis®

Prophylaxe

1)

Ausmaß der Beeinflussung hängt von der Zeitspanne zwischen Tabletteneinnahme und Blutentnahme ab; Beurteilung hier entsprechend der Spitzenspiegel

2)

Keine Zulassung für Prophylaxe; Angaben für Einsatz im klinischen Alltag außerhalb der Zulassung

3)

bisher keine Zulassung zur Therapie thromboembolischer Ereignisse; Angaben für Einsatz außerhalb der Zulassung

4)

Ausmaß der Beeinflussung der Einzelfaktorbestimmung abhängig vom jeweilis eingesetzten PTT-Reagenz (Faktor VIII, IX XI, XII) bzw. Thromboplastin (Faktor II, V, VII, X)

5)

Mani et al Klinikarzt 2013;42(S1):40-46



Beeinflussung der Thrombophiliediagnostik

© Roche Diagnostic 01/2012 (s. o.)

Präparat

Dosierung

Protein S

Protein C

LA (DRVVT)

   APA   

  clotting  

immunologisch

  clotting  

chromogen

   screen   

   ratio   

Argatroban
Argatra®

Prophylaxe2)

↑↑

↑↑

↔/↑

Therapie

↑↑↑

↑↑

↑↑↑

Lepirudin
Refludan®

Prophylaxe2)

↑↑

↑↑

↑↑

↑↑

Therapie

↑↑↑

↑↑↑

↑↑↑

↑↑↑

Dabigatran1)
Pradaxa®

Prophylaxe

↑↑/↑↑↑

↑↑

Therapie3)

↑↑↑

↑↑

↑↑↑

↑/↑↑

Fondaparinux
Arixtra®

Prophylaxe

↔/↑

Therapie

Rivaroxaban1)
Xarelto®

Prophylaxe

↔/↑

↑↑↑

↑↑

Therapie

↑↑

↑↑↑

↑↑↑

Apixaban1), 4)
Eliquis®

Prophylaxe

↑↑

1)

Ausmaß der Beeinflussung hängt von der Zeitspanne zwischen Tabletteneinnahme und Blutentnahme ab; Beurteilung der Beeinflussung hier entsprechend der Spitzenspiegel

2)

keine Zulassung für Prophylaxe; Angaben für Einsatz im klinischen Alltag außerhalb der Zulassung

3)

bisher keine Zulassung zur Therapie thromboembolischer Ereignisse; Angaben für Einsatz außerhalb der Zulassung

4)

Mani et al Klinikarzt 2013;42(S1):40-46



Monitoring der neuen oralen Antikoagulantien

Quelle: FachInfomationen der Hersteller (Stand: Dabigatran 11/2011, Rivaroxaban 12/2011)

Ein routinemäßiges Monitoring - wie bei Marcumarpatienten üblich - ist bei Behandlung mit  Dabigatran (Pradaxa®) und Rivaroxaban (Xarelto®) lt. Hersteller nicht nötig.

In Fällen, in denen die Spiegel der Antikoagulantien von anderen Faktoren beinflußt werden ( z. B. Komedikation mit bestimmten Medikamenten1) oder Niereninsuffizienz2)),  kann eine Kontrolle notwendig werden. Für die Aktivitätsbestimmung der neuen oralen Antikoagulantien wird dann üblicherweise der Talspiegel bestimmt - d. h. die Abnahme erfolgt direkt vor der nächster Gabe.

1)

Liste der Medikamente mit Wechelwirkung für Dabigatran / Rivaroxaban

2)

Pharmakologische Daten für Dabigatran / Rivaroxaban

 


Material:

gefrorenes Citratplasma

Bestimmung:

Bei Proben, die unser Labor Mo - Fr bis 12:00 Uhr erreichen, wird das Ergebnis am gleichen Tag übermittelt. Bitte die Probe zuvor telefonisch unter 0711/6357-105 ankündigen.

Die Bestimmung des Rivaroxabanspiegels erfolgt in unserem Labor im Klinikum Esslingen.

Eine Beurteilung des Messwertes ist nur möglich, wenn genaue Angaben über Präparat sowie Dosierung und Zeitpukt der letzten Applikation gemacht werden.


Dosierung bei Nierengesunden

Präparat

Indikation

Dosierung bei
Nierengesunden

Einnahme-
zeitpunkt

Blutentnahme
(vor nächster Gabe)

Parameter

Dabigatran
Pradaxa®

TVT Prophylaxe
nach TEP

220 mg/d
220 mg 1-0-0

morgens

20-24 h nach letzter nach Gabe

Anti- F IIa-Aktivität

Schlaganfall-Prophylaxe
bei VHF

300mg/d
150 mg 1-0-1

morgens
& abends

10-16 h nach letzter Gabe

Rivaroxaban
Xarelto®

TVT Prophylaxe
nach TEP

10 mg/d
10 mg 1-0-0

morgens

24 h nach letzter Gabe

Anti- F Xa-Aktivität

Schlaganfall-Prophylaxe
bei VHF

20 mg/d
20 mg 1-0-0

zum Frühstück

24 h nach letzter Gabe

Therapie VTE

Tag 1-21:
30 mg/d
15 mg 1-0-1

zum Frühstück
& Abendessen

10-16 h nach letzter Gabe

ab Tag 22:
20 mg/d
20 mg 1-0-0

zum Frühstück

24 h nach letzter Gabe

Apixaban
Eliquis®

TVT Prophylaxe
nach TEP

 5 mg/d
2,5 mg 1-0-1

morgens
& abends

10-16 h nach letzter Gabe

Anti- F Xa-Aktivität

Schlaganfall-Prophylaxe
bei VHF

10mg/d
5 mg 1-0-1

morgens
& abends

10-16 h nach letzter Gabe

Einfluss von Alter, Körpergewicht, Geschlecht und Ethnie

Einflussgröße

Dabigatran

Rivaroxaban

Apixaban

Alter

> 75 Lj wg. NI kontraindiziert

kein Einfluss

kein Einfluss

Körpergewicht

< 50 kg / > 110 kg: Überwachung

kein Einfluss

kein Einfluss

Geschlecht

kein Einfluss

kein Einfluss

kein Einfluss

Ethnie

kein Einfluss

kein Einfluss

kein Einfluss



Therapieschemata zur Antagonisierung der Wirkung

Levi M et al. Bleeding risk and reversal strategies for old and new anticoagulants and antiplatelet agents. J Thromb Haemost 2011; 9: 1705–12

Substanzklasse

Zeit bis zur Normalsierung
nach Absetzen

Antagonist

Zeitraum bis zur Normalsierung

Bemerkung

Vitamin K Antagonisten

Warfarin: 60–80 h
Acenocoumarol: 18–24 h
Phenprocoumon: 8–10 d

Vitamin K i.v.
Vitamin K p. o.
PCC

12–16 h
binnen 24 h
sofort

Die Vitamin K- bzw. PCCs-Dosis ist abhängig von INR und Körpergewicht

Heparin

3–4 h

Protaminsulfat 25–30 mg

sofort

1 mg Protamin / 100 IE anti-Xa appliziert in den letzten 2–3 h

LMWH

12–24 h

Protaminsulfat (partiell) 25–50 mg

sofort aber nur partiell

1 mg Protamin / 100 IE anti-Xa appliziert in den letzten 8 h

Pentasaccharide

Fondaparinux: 24–30 h
Idraparinux: 5–15 d

rekomb. F. VIIa 90 µg/ kg KG 1)

sofortige Thrombingeneration

basierend auf Labordaten, keine Erfahrung bei blutenden Patienten

Idrabiotaparinux: 5–15 d

rekomb. F. VIIa 90 µg/ kg KG 1)
Avidin 1)

sofortige Thrombingeneration

basierend auf Labordaten, keine Erfahrung bei blutenden Patienten

Orale Faktor Xa-Inhibitoren

i. d. R. binnen 12 h, je nach Verbindung

PCC (3000 U) 1)

basierend auf Labordaten, keine Erfahrung bei blutenden Patienten

Orale Thrombin-Inhibitoren

i. d. R. binnen 12 h, je nach Verbindung

bisher keine Verfügbar

LMWH = niedermolekulares Heparin; PCC = Prothrombin-Komplex-Konzentrat

1)

experimentelle Behandlung



 

 Seite drucken
Vergleich der neuen Präparate
Vergleich der neuen Antikoagulanzien
Beeinflussung der gängigen Gerinnungstests
Beeinflussung der Einzelfaktorbestimmung
Beeinflussung der Thrombophiliediagnostik
Monitoring der neuen oralen Antikoagulantien
Dosierung bei Nierengesunden
Einfluss von Alter, Körpergewicht, Geschlecht und Ethnie
Therapieschemata zur Antagonisierung der Wirkung