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Letzte Aktualisierung:
04.04.2012

Hochpathogene S. aureus-Stämme: cMRSA, PVL-positive S. aureus


 

Staphylococcus aureus verursacht in erster Linie eitrige Haut- und Weichteil-infektionen (Impetigo contagiosa, Follikulitis, Furunkel, Karbunkel), aber auch Abszessen in inneren Organen, lebensbedrohliche Septikämien und Atemwegsinfektionen. Der Mensch stellt das Reservoir für S. aureus dar; der Erreger wird in erster Linie durch Hautkontakt (Hände!) von Mensch zu Mensch übertragen. Ungefähr 20–40 % aller Menschen sind mit S. aureus zumindest passager nasal besiedelt. Meist handelt es sich dabei um wenig pathogene und wenig virulente Stämme.

 

Seit einigen Jahren werden in Deutschland Stämme von S. aureus beobachtet, welche im Unterschied zu den herkömmlichen Stämmen einen speziellen Pathogenitätsfaktor aufweisen: Das sog. Panton-Valentine-Leukozidin (PVL) ist ein porenbildendes Toxin welches dem Erreger zur Abtötung von Granulozyten und Makro-phagen dient und damit den für die Staphylokokkenabwehr wesentlichen Teil der Abwehrfunktion des Körpers  erheblich  beein-trächtigt.

Das PVL-Toxin wird durch Bakteriophagen übertragen und wurde bereits 1894 von van der Velde beschrieben (van de Velde H. Etude sur le mécanisme de la virulence du Staphylocoque pyogène. La Cellule 1894; 10:401–60). Panton und Valentin stellten 1932 den Zusammenhang zwischen Toxin und Erkrankung her (Panton PN, Valentine FCO. Staphylococcal toxin. Lancet. 1932;1:506–8.)

 

Klinisch manifestiert sich die Infektion mit PVL-positiven Staphylococcus-aureus-Stämmen in erster Linie in Form von rezidivierenden tiefen Haut- und Weichteilinfektionen, oft ohne ausgeprägte Eiterbildung oder erkennbare Eintrittspforte. Wesentlich seltener kommt es zu nekrotisierenden Pneumonien mit hoher Letalität.

 

Wie häufig PVL-positive S. aureus in Deutschland vorkommen ist nicht bekannt, da sich die Erreger phänotypisch nicht von den weniger virulenten Stämmen abgrenzen lassen und die erforder-liche molekularbiologische Untersuchung bei ambulanten Patienten aus Kostengründen meist unterbleibt (begrenztes Laborbudget des niedergelassenen Arztes). Einzelne regionale Untersuchungen zeigten einen Anteil von bis zu 10% PVL-positiver Stämme bei Weichteilinfektionen.

 

Wenn das PVL-Gen in S.-aureus-Stämme mit Methicillin-Resistenz (MRSA) integriert wird, verbindet sich die ausgeprägte Virulenz mit einer hochgradigen Antibiotikaresistenz. Solche Stämme werden als community acquired MRSA (cMRSA, caMRSA) bezeichnet, da sie im Gegensatz zu den herkömmlichen MRSA-Stämmen auch außerhalb des Hospitalmilieus auftreten und verbreitet werden.

 

Erstmals wurden caMRSA Ende der 90er Jahre in Michigan (USA) beschrieben,wo ungewöhnlicherweise MRSA-Stämme bei Kindern und anderen Personen ohne vorherigen Kontakt zu medizinischen Einrichtungen isoliert wurden.

Neben sporadischen Fällen bei Personen ohne Kontakt zu medi-zinischen Einrichtungen oder Risikofaktoren wurden caMRSA mittlerweile auch bei einigen nosokomialen Ausbrüchen in Krankenhäusern und Reha-Einrichtungen entdeckt. Dabei erkrankten mehr als 40% der Betroffenen vorwiegend an lokalen z.T. sehr ausgedehnten und langwierigen Weichteilinfektionen oder, wesentlich seltener, an systemischen Infektionen wie Sepsis und nekrotisierender Pneumonie.

 

In den USA überwiegt ein Klon von caMRSA (sog. USA 300 Klon), der sich innerhalb weniger Jahre über das ganze Land ausgebreitet hat und heute in den USA insbesondere bei Kindern zu den wichtigsten Verursacher von rezidivierenden Weichteilinfektionen gehört. Weltweit wurden verschiedene caMRSA-Klone registiert. Auch in Deutschland wurden mehrere caMRSA-Klone identifiziert, darunter mindestens 1 Klon, der bisher nicht in anderen Ländern beobachtet wurde. 

 

Die ausgeprägte Morbidität, die hohe Rezidivneigung und das Risiko lebensbedrohlicher Komplikationen erfordern geeignete Maßnahmen zur Verhinderung einer weiteren Verbreitung der Erreger:

  • Screening auf MRSA und caMRSA bei Risikopatienten im stationären Bereich
  • Spezifische Labordiagnostik (Nachweis des PVL-Gens mittels PCR) bei rezidivierendem Auftreten rezidivierender Abszesse oder bei familiärer Häufung von Haut- und Weichteil-infektionen
  • Umgebungsuntersuchungen hinsichtlich Trägerstatus auch im ambulanten Bereich (Familienmitglieder)
  • Kombination von infektspezifischer Therapie und Sanierung des Trägerstatus
  • Information der Betroffenen und ihrer Angehörigen über geeignete Hygienemaßnahmen

 

 

Nachweis von PVL-Toxin-positiven S. aureus im Labor Enders

Im Untersuchungszeitraum vom 1. 9. 2006 bis zum 31. 5. 2009 wurden bei 270 vorwiegend ambulanten Patienten aus der Region Stuttgart mit Wund- oder Weichteilinfektionen die isolierten S. aureus-Stämme auf das PVL-Toxin-Gen untersucht. Bei 68 Patienten (25,2%) waren PVL-positive S. aureus-Stämme mit normaler Antibiotikaempfindlichkeit (MSSA), bei 16 Patienten (5,9%) caMRSA nachweisbar. Dies entspricht einem Anteil von 31% PVL-positiver S. aureus-Stämmen bei der ausgewählten Patientengruppe.

 

PVL-Toxinbildende S. aureus-Stämme sind in Stuttgart und Umgebung somit in erheblichem Ausmaß verbreitet.

 

Konsequenterweise sollten somit alle S. aureus-Isolate, die bei Haut- und Weichteilinfektionen isoliert wurden, auf das PVL-Gen untersucht werden.

 

Gggf. kann bei entsprechender Anamnese (rez. Haut- bzw. Weichteilinfektionen, bzw. familiäre Häufung) die Laborbudgetausnahmeziffer 32006 (EBM) angesetzt werden, sofern im positiven Fall eine Meldung nach IFSG §6 Abs. 1 Pkt. 5 a/b vorgesehen ist.

 

 

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