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Letzte Aktualisierung:
19.05.2017

Zika-Virus

Erreger

Das Zika-Virus gehört wie das Dengue-, Gelbfieber- und FSME-Virus zum Genus Flavivirus. Zurzeit werden genetisch eine afrikanische und eine asiatische Viruslinie unterschieden.

Übertragung


Das Zika-Virus wird durch den Stich von infizierten Moskitos der Gattung Aedes (hauptsächlich Ae. aegypti, weniger häufig Ae. albopictus) auf den Menschen übertragen, die auch Vektoren für das Gelbfieber-, Chikungunya- und Denguevirus sind. Aedes ist im Gegensatz zur Malaria übertragenden Anopheles-Mücke vorwiegend tagaktiv. Eine Übertragung kann auch  von der Mutter auf das Kind (intrauterin, perinatal), sexuell und über Bluttransfusion erfolgen. Möglich -jedoch nicht gesichert- ist die Übertragung durch Speichel, Muttermilch und Organtransplantation.

Vorkommen

Das Virus wurde erstmals 1947 aus Rhesusaffen im Zika-Wald/Uganda isoliert. In der Folgezeit trat es in West-Afrika und SO-Asien auf. Beim Menschen wurde sporadisch über Zika-Virus bedingte Erkrankungen berichtet (bis 1981 insgesamt nur 14 Fälle). Größere Ausbrüche, die durch das Zika-Virus der asiatischen Linie verursacht wurden, traten erst 2007 in Mikronesien und 2013–15 in Französisch-Polynesien auf. Ende April 2015 wurden die ersten Infektionen (ebenfalls mit der asiatischen Linie) in Brasilien nachgewiesen. Genanalysen ergaben, dass das Virus bereits zwischen Mai und Dezember 2013 während des Ausbruchs in Polynesien nach Brasilien eingeschleppt worden war. Zurzeit geht man von ca. 166.000 vermuteten und bestätigten Fällen in Brasilien im Jahr 2016 (Kalenderwoche 1-26) aus. Betroffen ist vor allem der Nord-Osten des Landes. Das Virus breitete sich epidemisch in fast allen Ländern Mittel- und Südamerikas einschließlich der Karibik aus. Mittlerweile (Stand 4/2017) sind dort die Fallzahlen rückläufig. In den USA treten ebenfalls autochthone Zika-Virus-Fälle auf (Florida n=1131 und Texas n= 322; Stand 19.04.2017). In Europa sind bisher keine autochthon erworbenen  Infektionen bekannt. In Deutschland wurden seit Oktober 2015 über 200 Infektionen bei Reiserückkehrern diagnostiziert.

Inkubationszeit

Nach dem Stich beträgt die Inkubationszeit 3 bis 14 Tage.

Dauer der Virämie/Virusausscheidung

Virale RNA wurde im Blut ab 2 Tage bis 10 Wochen nach Symptombeginn, im Urin ab 2 Tage bis 3 Monate, im Sperma bis zu 6 Monate und im Speichel bis 7 Wochen nachgewiesen. Die Nachweisdauer des infektiösen Virus (mittels Zellkultur) in den verschiedenen Untersuchungsmaterialien ist noch nicht geklärt. In einem Fallbericht konnte infektiöses Virus im Sperma bis 69 Tage nach Symptombeginn nachgewiesen werden.

Klinik

Sechzig bis 80 % der Infektionen verlaufen asymptomatisch. Häufige Symptome sind ein makulopapulöses Exanthem, Gelenkschmerzen, Fieber, nichteitrige Konjunktivitis sowie Kopf- und Muskelschmerzen. Als neurologische Komplikationen können das Guillain-Barré Syndrom (Inzidenz bei Zika-Virus-Infektion 0.1%?), Meningoenzephalitis, Myelitis und Enzephalopathie auftreten.

Bedeutung in Schwangerschaft

Soweit bekannt verläuft die Infektion in der Schwangerschaft nicht schwerer als außerhalb. Im Oktober 2015 berichtete das brasilianische Gesundheitsministerium erstmalig über eine deutliche Häufung von Neugeborenen mit kongenitaler Mikrozephalie vor allem im Nordosten des Landes. Aufgrund klinisch-epidemiologischer Beobachtungen wurden Zika-Virus-Infektionen als Ursache für wahrscheinlich gehalten. Durch den Nachweis viraler RNA in fetalem Gehirn, Fruchtwasser, Plazenta gilt ein kausaler Zusammenhang von Zika-Virus-Infektion in Schwangerschaft und kongenitalen Anomalien als gesichert.

Das kongenitale Zika-Virus-Syndrome umfasst unter anderem:

  • Schwere Mikrozephalie (<3 SD unter dem Normalwert)
  • Hirnanomalien wie zum Beispiel intrakranielle Kalzifikationen, Ventrikulomegalie,  Corpus callosum-Anomalien, Vermis cerebelli-Hypoplasie
  • Auffälligkeiten am Auge wie Mikrophthalmie, Katarakt, chorioretinale Atrophie, Hypoplasie/Atrophie des Sehnervs
  • Hörschäden
  • Arthrogryposis multiplex congenita

Untersuchungen zu Langzeitfolgen bei asymptomatischen Kindern nach intrauteriner Zika-Virus-Infektion liegen bisher nicht vor.

Die intrauterine Transmissionsrate ist unbekannt. Nach mütterlicher Zika-Virus-Infektion traten in 5-9% der Feten/Neugeborenen ZNS-Auffälligkeiten und in 2-4% eine Mikrozephalie auf. Entsprechend den Auswertungen im Rahmen des CDC-Registry waren nach Infektion der Schwangeren im 1. Trimenon 11% (9/85) der Feten/Neugeborenen symptomatisch. In 9% traten ZNS-Auffälligkeiten (einschließlich Mikrozephalie) auf. Nach mütterlicher Infektion im 2. und 3. Trimenon waren die Feten/Neugeborenen klinisch unauffällig. Die Ergebnisse aus einer anderen Publikation ergaben anhand von pränatalen Ultraschalluntersuchungen ZNS-Auffälligkeiten nach mütterlicher Infektion im 1. Trimenon in 13% (Mikrozephalie in 3%), im 2. Trimenon in 14% (Mikrozephalie 3%) und nach mütterlicher Infektion im 3. Trimenon in 3% (keine Mikrozephalie).

Die Möglichkeit einer intrapartum Transmission wird anhand von zwei Fallberichten diskutiert. Nach mütterlicher Symptomatik um Geburt wurde im kindlichen Serum am 1. bzw. 4. Lebenstag ZIKV-RNA nachgewiesen. Ein Neugeborenes war asymptomatisch, beim anderen Kind trat ein diffuses Exanthem am 3. Lebenstag auf. Eine Übertragung durch Muttermilch konnte bisher nicht nachgewiesen werden trotz positiver ZIKV-RT-PCR und -Zellkultur-Befunde in Muttermilch.

Diagnostik

Die Labordiagnostik ist nur bedingt evaluiert. Sie erfolgt durch den Nachweis von viraler RNA mittels PCR (nach Symptombeginn: im EDTA-Blut/Serum ab ca. 2 Tagen bis 10 Wochen, im Urin ab ca. 2 Tagen bis 3 Monaten, im Sperma bis 6 Monate). Die Maximalzeiträume in der Nachweisbarkeit sind nur anhand von Einzelfallbeschreibungen belegt. IgM-Antikörper sind in der 1. Woche nach Symptombeginn in <40-60%, 2-3 Wochen nach Symptombeginn in >95% nachweisbar. Sie können in Einzelfällen bis zu 4 Monate persistieren. Spezifische IgG-Antikörper sind in der 1. Woche nach Symptombeginn in <40%, nach 2 Wochen in >80%, nach 3-4 Wochen in >90% nachweisbar. Mehr als 4 Wochen nach Symptombeginn ist der IgG-Antikörpernachweis stets positiv. Kreuzreaktionen mit anderen Flaviviren (hauptsächlich nach Dengue- und Gelbfiebervirus-Infektion oder Impfung mit Gelbfiebervirus- oder japanischem Enzephalitisvirus) sind zu beachten.

  • Für den Erregernachweis führen wir die Zika-Virus-PCR durch. Dies ist aktuell keine Kassenleistung. Die Abrechnung erfolgt als IGeL (128,23 Euro, das entspricht GOÄ einfacher Satz) oder als Privatleistung (128,23 Euro x Faktor 1.15).

  • IgG-/IgM-Antikörper können in einem CE-markierten ELISA mit rekombinantem NS1-Antigen bestimmt werden [GOÄ Ziffer 4389 (IgG): 13,99 Euro; 4400 (IgM): 17,49 Euro]. Bei entsprechender Indikation kann der Antikörpernachweis mittels ELISA als Kassenleistung [EBM Ziffer 32641 (IgG, IgM): je 11,10 Euro] erfolgen.

  • Neutralisierende Antikörper gegen den aktuellen Ausbruchsstamm können in einem inhouse-Test mit bestimmt werden.

  • Bei positivem Zika-Virus Antikörperbefund führen wir zusätzlich einen Denguevirus-Antikörper-/Antigennachweis durch, um Kreuzreaktionen einzugrenzen.

  • Für die Befundinterpretation sind Angaben zum Reiseland, zur Dauer der Reise, zu vorausgegangenen Impfungen gegen Gelbfieber und das japanische Enzephalitisvirus sowie ggf. die Angabe der Schwangerschaftswoche wichtig.

Vorgehen bei Reiserückkehrern (männlich, weiblich) aus Gebieten mit aktiver Zika-Virus-Transmission

    Besteht kein Kinderwunsch, liegt keine Schwangerschaft vor:

    Kondomgebrauch oder Abstinenz für 6 Monate (CDC: nur 8 Wochen bei Frauen) nach Symptombeginn bzw. letzter möglicher Exposition und effektive Verhütung.

    Bei Kinderwunsch:

    Kondomgebrauch oder Abstinenz (s.o.). Eventuell labordiagnostischer Ausschluss einer akuten/kürzlichen Infektion. Die zur Verfügung stehenden Testsysteme weisen nach den bisherigen, noch begrenzten (!) Erfahrungen zufriedenstellende diagnostische Eigenschaften auf. Die Häufigkeit falscher Testergebnisse ist jedoch nicht gesichert.

      Vorgehen bei Schwangeren mit Exposition zu Zika-Virus

      Nach Exposition (d. h. Schwangere und/oder Sexualpartner nach Aufenthalt in Gebieten mit aktiver Zika-Virus-Transmission) sollte die Labordiagnostik sowie 3-4 Wochen nach Exposition ein Basisultraschall durchgeführt werden. Das weitere Vorgehen richtet sich nach den Labor- und Ultraschallbefunden. Der Stellenwert der invasiven pränatalen Diagnostik ist unklar, da ein positives Ergebnis keine Rückschlüsse auf mögliche fetale Fehlbildungen zulässt.

      Prävention / Expositionsprophylaxe

      In tropischen Ländern sollten sich Einheimische und Reisende generell gegen Stechmücken schützen durch

      • Repellents (zur Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit auf Angaben der Hersteller achten),
      • Bedeckende Kleidung, Moskitonetze.

      Schwangere sollten Reisen in bekannte Ausbruchsgebiete vermeiden bzw. bei unvermeidlichen Reisen auf konsequenten Mückenschutz achten. Sexualpartnern von schwangeren Patientinnen wird nach Reise in Risikogebiete zur Abstinenz bzw. Kondomgebrauch für die gesamte Schwangerschaft geraten (WHO, Stand 06.09.2016)

      Aktive, passive Prophylaxe

      Nicht verfügbar.

      Therapie

      Nicht verfügbar. Die Therapie erfolgt symptomatisch.

      Meldepflicht

      Seit 1. Mai 2016 besteht eine Meldepflicht für Labore (§7 IfSG) für den direkten/indirekten Nachweis von Zika-Virus.

      Empfehlung bei Blutspenden

      In Deutschland gibt es keine über den einheitlichen Blut- und Plasmaspenderfragebogen (Paul-Ehrlich-Institut 13.01.2015) hinausgehenden Empfehlungen bzgl- einer Blutspende nach Rückkehr aus Zika-Virus-Ausbruchsgebieten.
      In den USA werden inzwischen alle Blutkonserven auf Zika-Virus mittels PCR getestet. Bei positivem Befund wird eine Wartezeit von 4 Monaten bis zur nächsten Blutspende empfohlen.

      Links zur aktuellen Situation

      ecdc.europa.eu/en/healthtopics/zika_virus_infection

      www.cdc.gov/zika/

      www.paho.org/hq/index.php

      www.who.int/features/qa/zika/en/


      Internationale Leitlinien

      http://www.cdc.gov/mmwr/volumes/65/wr/mm6539e1.htm

      http://www.cdc.gov/mmwr/volumes/65/wr/mm6529e1.htm

      https://emergency.cdc.gov/han/han00402.asp

      http://www.who.int/csr/resources/publications/zika/pregnancy-management/en/

      http://www.who.int/csr/resources/publications/zika/sexual-transmission-prevention/en/

      Papagerorghiou AT. ISUOG interim guidance on ultrasound for Zika virus infection in pregnancy: information for healthcare professionals. Ultrasound Obstet Gynecol2016; 47: 530-532. (Publikation frei verfügbar)

      Weitere Literatur beim Verfasser

       

      Priv.-Doz. Dr. med. Martin Enders

      Stand 05/2017


       

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      Übersicht:

      Erreger
      Übertragung
      Inkubationszeit
      Dauer der Virämie/Virusausscheidung
      Klinik
      Bedeutung in Schwangerschaft
      Diagnostik
      Vorgehen bei Reiserückkehrern (männlich, weiblich) aus Gebieten mit aktiver Zika-Virus-Transmission
      Vorgehen bei Schwangeren mit Exposition zu Zika-Virus
      Prävention / Expositionsprophylaxe
      Aktive, passive Prophylaxe
      Therapie
      Meldepflicht
      Empfehlung bei Blutspenden
      Links zur aktuellen Situation
      Internationale Leitlinien