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Letzte Aktualisierung:
04.04.2012

Neuer Labortest für die Tuberkulosediagnostik

Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist ca. jede dritte Person weltweit mit Mycobacterium tuberculosis (M. tuberculosis) infiziert. Für diese Personen besteht ein Risiko von ca. 5 - 20%, im Laufe ihres Lebens an einer Tuberkulose (TB) zu erkranken (1).

Für die Diagnose der latenten Tuberkulose stand bisher nur der Tuberkulin-Hauttest (THT) zur Verfügung. Die Unzulänglichkeiten des THT in der Diagnostik sind durch die jahrzehntelange Erfahrung mit diesem Testsystem gut bekannt. Als Alternative zum bisherigen THT bieten wir in unserem Labor einen Test aus dem peripheren Blut an (T-SPOT.TB der Fa. Oxford Immunotec). Der T-SPOT.TB ist für die Tuberkulosediagnostik in Europa (CE-Markierung) und den USA (FDA approval) zugelassen. Mit diesem in-vitro-Test werden TB-spezifische T-Lymphozyten über die Interferon-γ-Bildung nachgewiesen.

Die bisherigen Studien zeigen für den T-SPOT.TB eine deutlich höhere Spezifität und Sensitivität im Vergleich zum THT (1-4). Aktuelle Konzepte der TB-Diagnostik haben die Interferon-γ-Teste integriert (5-7). Eingesetzt wird der T-SPOT.TB vor allem bei der Diagnostik der latenten Tuberkulose, er kann aber auch bei der Diagnostik der aktiven Tuberkulose einen Beitrag leisten.

 

Vorteile des neuen Labortests

- Der Test wird durch eine frühere BCG-Impfung nicht beeinflusst (2-7).

- Das Ergebnis des T-SPOT.TB ist am nächsten Tag erhältlich.

- Nur einmaliger Praxisbesuch des Patienten zur Blutabnahme ist notwendig.

- Infektionen mit den meisten atypischen Mykobakterien beeinflussen den T-SPOT.TB nicht (8).

- Der Test ist auch bei Patienten mit Immunschwäche (z.B. HIV) einsetzbar (9, 10).

- Der T-SPOT.TB ist bei Kindern und Kleinkindern einsetzbar (11, 12) .

- Subjektive Einflüsse, die bei der Bewertung des Hauttestes eine Rolle spielen können, treten bei dem standardisierten Testverfahren nicht auf.

- Eine ausführliche TB-Anamnese, die für die Beurteilung des Tuberkulin-Hauttests notwendig sein kann, wird für die Bewertung des T-SPOT.TB nicht benötigt.

 

Einsatzmöglichkeiten

Der Test eignet sich besonders, wenn eine Infektion mit M. tuberculosis ausgeschlossen werden soll:

- Untersuchung von Risikogruppen, wie z.B. HIV Patienten, immunsupprimierten Personen, Personen aus Risikogebieten.

- Nachweis einer latenten TB-Infektion vor einer immunsuppressiven Therapie, z.B. bei Einsatz von TNF-hemmenden Substanzen zur Rheumatherapie (13).

- Screening von Mitarbeitern im Gesundheitswesen auf latente TB-Infektion (14).

- Im Rahmen von Umgebungsuntersuchungen bei nachgewiesenen Fällen mit offener TB (7) .

 

Nach einem TB-Kontakt zeigt der THT frühestens nach 2 Wochen und spätestens nach 8 Wochen eine Infektion mit M. tuberculosis an. Auch für den T-SPOT.TB sind diese Zeitpunkte für den Nachweis einer Infektion anzunehmen (7).

Bei der aktiven Tuberkulose ist die mikrobiologische und klinische Diagnostik weiterhin vorrangig gegenüber dem T-SPOT.TB (15). Da der direkte Erregernachweis bei der aktiven Tuberkulose sowie der extrapulmonalen Tuberkulose oft nicht möglich ist, kann in diesen Fällen ein positives T-SPOT.TB-Ergebnis zur Diagnose der Tuberkulose beitragen (16).

Ein weiteres interessantes Einsatzgebiet für den T-SPOT.TB ist die Untersuchung in Materialien wie bronchoalveoläre Lavage, Pleurapunktat oder Liquor (17). Mit dem T-SPOT.TB ist eine lokale Immundiagnostik möglich, eine hohe Anzahl an TB-spezifischen T-Lymphozyten an diesen Orten spricht für eine aktive Tuberkulose. Die Datenlage hierzu ist insgesamt noch gering, die ersten Studien jedoch vielversprechend (18).

 

Einschränkungen

Der T-SPOT.TB ist ein quantitatives Testsystem, das eine TB-spezifische Immunantwort besser quantifizieren kann als der THT. Die TB-spezifischen T-Lymphozyten, die mit dem T-SPOT.TB gemessen werden, sind Effektor T-Zellen mit einem aktuellen/kürzlichen Antigenkontakt in-vivo. Bei Antigen-Reexposition im Test bilden diese Effektor T-Lymphozyten schnell (innerhalb 16-20 Stunden) Interferon-γ. Die Frequenz dieser Effektor T-Lymphozyten im Blut ist dynamisch und es wird vermutet, dass sie die Anzahl der Erreger in-vivo reflektiert (19). Bei aktiver Tuberkulose ist die Anzahl der TB-spezifischen T-Lymphozyten im Blut signifikant höher als bei der latenten Tuberkulose. Aufgrund der großen Überlappung der quantitativen Werte von Patienten mit aktiver und latenter Infektion eignet sich die Quantifizierung des T-SPOT.TB in der Praxis jedoch meist nicht zur Unterscheidung zwischen aktiver und latenter Tuberkulose (20).

Während und nach einer Therapie der Tuberkulose verringert sich meist die Anzahl der TB-spezifischen T-Lymphozyten im Blut (21). Diese therapiebedingten Veränderungen sind individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt (22). Unter Therapie kann die Anzahl der TB-spezifischen T-Lymphozyten auch ansteigen, dies ist aber kein Indiz für ein Therapieversagen (23). Daher sind die Interferon-γ-Teste vermutlich nicht für die Therapiekontrolle geeignet, da die Aktivität einer tuberkulösen Infektion durch die alleinige Messung der Interferon-γ-bildenden T-Lymphozyten im Blut nicht ausreichend wiedergegeben wird (24).

 

Labormethode

Nachgewiesen werden die M. tuberculosis-spezifischen T-Zellen im peripheren Blut. Spezifische Antigene von M. tuberculosis führen zu einer Aktivierung der Effektor-T-Lymphozyten, die Interferon-γ bilden und mittels ELISPOT-Technologie nachgewiesen werden. Die Spezifität und Sensitivität dieses Testsystems sind mit ca. >98 % bzw. >90 % sehr hoch, dies konnten wir mit eigenen Untersuchungen in unserem Labor bestätigen (25).

Testbewertung

Die folgenden vier Testergebnisse sind möglich:

Negativ:

M. tuberculosis-spezifische T-Lymphozyten sind nicht nachweisbar. Z.Zt. kein Hinweis auf eine Infektion mit M. tuberculosis. Da mit dem Test ca. 5-10% der Patienten mit Tuberkulose nicht erkannt werden, ist mit dem alleinigen Testergebnis ein sicherer Ausschluss einer Tuberkulose nicht möglich.

 

Grenzwertig:

Nach Stimulation mit M. tuberculosis-spezifischen Peptiden liegt die Anzahl der erregerspezifischen T-Zellen am cutoff des Tests, das Testergebnis ist als grenzwertig zu beurteilen. Aufgrund dieses Ergebnisses kann eine Infektion mit M. tuberculosis nicht ausgeschlossen werden. Grenzwertige Ergebnisse treten nach unseren bisherigen Erfahrungen in ca. 3% der Teste auf.

 

Positiv:

Dies spricht für eine latente oder aktive Infektion mit M. tuberculosis. Bei positivem Testergebnis wird zusätzlich auf dem Befund die Anzahl der gemessenen ESAT-6 und CFP-10-spezifischen T-Zellen angegeben. Die Angabe dieser Zellen ist nur eine Zusatzinformation und kann nicht verwendet werden, um eine latente von einer aktiven Tuberkulose zu unterscheiden.

 

Nicht auswertbar:

Dieses Ergebnis wird angegeben, wenn in den Kontrollansätzen des Tests keine ausreichende Stimulation der Lymphozyten möglich ist oder eine zu starke unspezifische Stimulation der Lymphozyten vorliegt. Nicht auswertbare Ergebnisse treten nach unseren bisherigen Erfahrungen in ca. 3% der Teste auf. Bei einer Wiederholung des Tests nach 1-2 Wochen ist eine Auswertung meistens möglich.

 

Untersuchungsmaterial

Für diesen Test werden 9 ml frisches heparinisiertes Vollblut benötigt, bei Kindern ca. 3 ml. Bitte nur kommerzielle Abnahmeröhrchen verwenden, diese können auf Anforderung von unserem Labor bezogen werden.

Das Material sollte spätestens am Tag nach der Blutentnahme in unserem Labor eintreffen. Der Probentransport erfolgt bei Raumtemperatur. Die Untersuchung wird an jedem Werktag durchgeführt. Bei erstmaliger Einsendung für diesen Test wird eine telefonische Voranmeldung erbeten (Dr. Meier, 0711/6357-131).

 

Abrechnung

Die Abrechnung erfolgt entsprechend den Leistungskatalogen der Krankenkassen. Die Kosten betragen nach GOÄ 82,77 € pro Untersuchung. Für diese Untersuchung kann die Ausnahmeindikationsziffer 32006 (meldepflichtige Erkrankungen) angegeben werden.

Kontakt

Weitere Informationen bei Herrn Dr. Thomas Meier, 0711/6357-131.

Literatur

(1) Vynnycky E and Fine PE: Lifetime risks, incubation period, and serial interval of tuberculosis. Am J Epidemiol 2000;152:247–63.

(2) Pai M et al.: Systematic review: T-cell-based assays for the diagnosis of latent tuberculosis infection: an update. Ann Intern Med. 2008 Aug 5;149(3):177-84.

(3) Sester M et al.: Interferon-γ release assays for the diagnosis of active tuberculosis: A systematic review and meta-analysis. Eur Respir J. 2010 Sep 16.

(4) Diel et al.: Interferon-γ release assays for the diagnosis of latent M. tuberculosis infection: A systematic review and meta-analysis. Eur Respir J. 2010 Oct 28. [Epub ahead of print]:

(5) Lange C et al.: Aktueller Stand der TB-Diagnostik. Dtsch Med Wochenschr. 2006 Feb 17;131(7):341-7.

(6) Hauer B et al.: Interferon-γ-Tests in der TB-Diagnostik - Aktueller Stand Pneumologie 2006; 60: 29-44:

(7) Diel R et al.: Empfehlungen für die Umgebungsuntersuchungen bei Tuberkulose. Gesundheitswesen 2007; 69: 488-503

(8) Gey Van Pittius NC et al.: The ESAT-6 gene cluster of Mycobacterium tuberculosis and other high G+C Gram-positive bacteria. Genome Biol. 2001;2(10):RESEARCH0044.

(9) Dheda K et al.: Performance of a T-cell-based diagnostic test for tuberculosis infection in HIV-infected individuals is independent of CD4 cell count. AIDS. 2005 Nov 18;19(17):2038-2041.

(10) Jiang W et al.: High-sensitive and rapid detection of Mycobacterium tuberculosis infection by IFN-gamma release assay among HIV-infected individuals in BCG-vaccinated area. BMC Immunol. 2009 May 28;10:31.

(11) Detjen AK et al.: Interferon-γ release assays improve the diagnosis of tuberculosis and non-tuberculous mycobacterial disease in children in a country with a low incidence of tuberculosis. Clin Infect Dis 2007; 45: 322-328

(12) Detjen AK and Magdorf K: Characteristics of childhood tuberculosis. Pneumologie 63(4):207-18, 2009.

(13) Diel R et al.: Empfehlungen für das Tuberkulosescreening vor Gabe von TNF-α-Inhibitoren bei rheumatischen Erkrankungen. Pneumologie 2009; 63: 329-334.

(14) Diel R et al.: Comparative performance of tuberculin skin test, QuantiFERON-TB-Gold In Tube assay, and T-Spot.TB test in contact investigations for tuberculosis. Chest. 2009 Apr;135(4):1010-8.

(15) Kalsdorf B et al.: Klinik und Diagnose der Tuberkulose. Pneumologie. 2008;62(5):284-94.

(16) Kim SH et al. : Diagnostic usefulness of a T-cell based assay for extrapulmonary tuberculosis. Arch Intern Med. 2007;167(20):2255-9.

(17) Jafari C and Lange C: Suttons's law: local immunodiagnosis of tuberculosis. Infection. 2008 Dec;36(6):510-4. Epub 2008 Oct 18. Review.

(18) Jafari C et al.: Bronchoalveolar lavage enzyme-linked immunospot for a rapid diagnosis of tuberculosis: a Tuberculosis Network European Trialsgroup study. Am J Respir Crit Care Med. 2009 Oct 1;180(7):666-73.

(19) Lalvani A.: Counting antigen-specific T cells: a new approach for monitoring response to tuberculosis treatment? Clin Infect Dis. 38(5):757-9.

(20) Janssens JP et al.: Quantitative scoring of an interferon-gamma assay for differentiating active from latent tuberculosis. Eur Respir.J 2007;30(4):722-8.

(21) Kobashi Y et al.: Transitional changes in T-cell responses to Mycobacterium tuberculosis-specific antigens during treatment. J Infect 2008.

(22) Dominguez J et al.: T-cell responses to the Mycobacterium tuberculosis-specific antigens in active tuberculosis patients at the beginning, during, and after antituberculosis treatment. Diagn Microbiol.Infect Dis 2009;63(1):43-51.

(23) Bosshard V et al. : Do results of the T-SPOT.TB interferon-gamma release assay change after treatment of tuberculosis? Respir.Med 2009;103(1):30-4.

(24) Millington KA et al.: Dynamic relationship between IFN-gamma and IL-2 profile of Mycobacterium tuberculosis-specific T cells and antigen load. J Immunol. 2007;178(8):5217-26.

(25) Meier et al.: Sensitivity of a new commercial enzyme-linked immunospot assay (T SPOT-TB) for diagnosis of tuberculosis in clinical practice. European Journal of Clinical Microbiology and Infectious Diseases 24(8): 529-36, 2005.

 

 

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