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Deutsche Akkreditierungsstelle D-ML-17120-01-00 D-PL-17120-01
 
FDA-Registrierung
3002965587
 
Letzte Aktualisierung:
04.09.2014

Vermeidung einer Hypersensitivitätsreaktion bei einer Behandlung mit Abacavir im Rahmen einer HIV-Therapie

Abacavir als Medikament bei HIV-Infektionen

Abacavir (Ziagen, Trizivir, Kivexa) wird als nukleosidaler Reverse-Transkriptase-Inhibitor in Kombination mit anderen retroviralen Wirkstoffen bei HIV-Infektionen eingesetzt. Bei etwa 5 - 8 % der Patienten tritt in den ersten 6 Wochen nach Therapiebeginn eine Hypersensitivitätsreaktion (HSR) auf. Die Manifestationen umfassen Fieber, Hautausschlag, Magen-Darm-Beschwerden sowie Müdigkeit. Insbesondere bei einer Therapie-Wiederaufnahme kann es zu verstärkten oder sogar letalen Nebenwirkungen kommen. Aufgrund der unspezifischen Symptomatik wird zur immunologischen Bestätigung einer HSR der Patch-Hauttest herangezogen. Bei allen Erkrankten, die eine immunologisch bestätigte Überempfindlichkeit gegenüber Abacavir (ABC) zeigen, wurde die Allel-Variante HLA-B*57:01 gefunden.

Letzte Forschungsergebnisse weisen auf eine medikamentöse Induktion einer Autoimmunreaktion hin. Abacavir führt dazu, dass HLA-B*57:01 dem Immunsystem körpereigene Proteine als fremd präsentiert.

 

Studien belegen den Nutzen eines HLA-B*57:01-Screenings

·    Im Rahmen der randomisierten Doppelblindstudie PREDICT-1 konnte gezeigt werden, dass das prospektive Screening für HLA-B*57:01 bei Kaukasiern zu einer signifikanten Reduktion des Risikos einer klinisch vermuteten HSR führte und das Auftreten einer im Patch-Test bestätigten HSR vollständig eliminierte.
·    Der negative prädiktive Wert des HLA-B*57:01-Tests für eine ABC-HSR lag somit bei 100 % [2].
·    Diese Resultate konnten mit der retrospektiven SHAPE-Studie sowohl für die weiße als auch für die schwarze amerikanische Bevölkerung bestätigt werden [3].
·    Angesichts dieser Ergebnisse wird empfohlen, dass alle ABC-naiven Patienten auf HLA-B*57:01 untersucht werden.

Das Bundesministerium für Arzneimittelsicherheit und Medizinprodukte (BfArM) und die aktuellen europäischen Richtlinien (EACS) weisen ausdrücklich auf die Notwendigkeit eines pharmakogenetischen Tests für das HLA-B*57:01-Allel unabhängig von der ethnischen Zugehörigkeit im Rahmen einer Erstuntersuchung hin [4]. Die DHHS-Richtlinien (Department of Health and Human Services) fordern eine HLA-B*57:01 Bestimmung bevor eine Umstellung auf eine Therapie mit ABC erfolgt [5]. Die Food and Drug Administration (FDA) empfehlen ein HLA-B*57:01-Screening auch bei Patienten, die bereits Abacavir bekommen und ohne eine HSR zu entwickeln toleriert haben, wenn eine Wiederaufnahme der ABC-Therapie geplant ist.

 

Gentest zur Identifikation des HLA-B*57:01-Allels

Mittels einer Genotypisierung vor einer Behandlung mit ABC können die HIV-Patienten identifiziert werden, die das HLA-B*57:01-Allel besitzen.

·        Bei Positivität von HLA-B*57:01 ist die Gabe von ABC kontraindiziert, da die Wahrscheinlichkeit einer Hypersensitivitätsreaktion sehr hoch ist. Steht keine andere Therapie-Option offen, sollte die ABC-Einnahme unbedingt unter engmaschiger klinischer Überwachung erfolgen.

·        Ein negatives Testergebnis schließt eine Überempfindlichkeitsreaktion anderer Genese nicht völlig aus. Eine Therapie mit ABC in Standard-Dosierung ist möglich. Patienten, die negativ für HLA-B*57:01 getestet wurden, haben jedoch ein 3 %-iges Risiko eine klinisch diagnostizierte HSR zu entwickeln. Daher sollte auch bei HLA-B*57:01-negativen Patienten eine sorgfältige Überwachung auf HSR-Symptome erfolgen [6].

Neueste Studien zeigen darüber hinaus, dass die Kosten eines prospektiven HLA-B*57:01-Screenings weitaus geringer sind als die Beträge, die durch die Behandlung einer Hypersensibilitätsreaktion anfallen und eine Genotypisierung zu einer deutlichen Nettoersparnis führt [7].

 

Methode

Allel-spezifische PCR (HLA-B*57:01)

 

Probenmaterial und Anforderung

1 x kleines EDTA-Blut-Röhrchen. Postversand möglich.

Die schriftliche Einwilligungserklärung des Patienten zu allen genetischen Analysen gemäß Gendiagnostikgesetz (GenDG) ist erforderlich.

 

 

Abrechnung

Eine Abrechnung im kassen- und privatärztlichen Bereich ist möglich.

 

Ansprechpartner

Dr. rer. nat. Tina Stumpp

Tel: +49 (0) 711 6357-266

 

Literatur

1. Mallal et al. Lancet 2002;359:727-32

2. Mallal et al. N Engl J Med 2008;358:568-79

3. Saag et al. Clin Infect Dis 2008;46:1111-8

4. EACS Guidelines, Version 7.02, 2014

5. Department of Health and Human Services. Guidelines for the use of antiretroviral agents in HIV-1-infected adults and adolescents. December 1, 2009:1-161

6. Martin et al. Clin Pharmacol Ther 2012;91(4):734-8

7. Wolf et al. Eur J Med Res 2010;15:145-51

 

 

 

 

 

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