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Letzte Aktualisierung:
06.07.2015

IL28B-Polymorphismus als Prognosemarker bei der Hepatitis C-Infektion

Die prognostische Bedeutung der genomischen Region des IL28B-Gens (auf Chromosom 19) für den Verlauf und das Therapieansprechen der Hepatitis C-Infektion ist 2009 im Rahmen von genetischen Assoziationsstudien in größeren Patientenkohorten aufgezeigt worden. Das IL28B-Gen codiert für das humane Interleukin 28B (Interferon-lambda-3, IFNL3).

Der C/T Dimorphismus rs12979860 ist mit dem virologischen Ansprechen bei Hepatitis C in Zusammenhang gebracht worden. So haben homozygote Patienten mit dem IL28B-CC-Genotyp im Vergleich zu Trägern der Genotypen CT und TT nicht nur eine deutlich höhere Chance, das Virus spontan zu eliminieren, sie zeigen auch eine signifikant bessere dauerhafte Ansprechrate (SVR) auf eine PEG-IFN-alpha und Ribavirin (RBV) Kombinationstherapie. Laut einer Metaanalyse wurde eine SVR bei 70,5 % der CC-Träger und nur bei 32 % der CT-Träger und 23,3 % der TT-Träger erreicht.

 

 

IL28B-Genotyp

Spontane Viruseliminierung

Dauerhafte Therapieansprechrate (SVR)

CC

51–53 %

55–80 %

CT

27–33 %

20–40 %

TT

20–31 %

20–35 %

 

 

Thompson et al. konnten zeigen, dass der IL28B-Polymorphismus der stärkste prätherapeutische Prädiktor eines Therapienasprechens ist. Unter HCV-Patienten mit Genotyp 2 oder 3, die keine negative HCV-PCR 4 Wochen nach Therapiebeginn aufwiesen (non-RVR), erreichten 87 % der IL28B-CC- und nur 29 % der TT-Patienten eine anhaltende Virussuppression.

Weitere Daten weisen auf einen positiven Einfluss des günstigen C-Allels auf den Therapieverlauf bei Patienten mit einem non-1 HCV-Genotyp, bei HCV/HIV-Koinfektion und bei Patienten unter Triple-Therapie (PEG-IFN-alpha, Ribavirin plus Proteaseinhibitor), allerdings geringer ausgeprägt, hin.

Die Europäische Richtlinie für HIV/AIDS von 2011 empfiehlt den auf vier Basis-Parametern (HCV-Viruslast, HCV-Genotyp, IL28B-Genotyp und Leberfibrose mittels Elastographie) basierten, kürzlich entwickelten Therapie-Algorithmus Prometheus für die Risiko-Stratifizeirung und für die Abschätzung einer SVR unter einer PEG-IFN/RBV-Kombinationstherapie bei HIV/HCV-koinfizierten Patienten (www.europeanaidsclinicalsociety.org). Zentrales Thema in der 2011 veröffentlichten, aktualisierten Richtlinie der AASLD (American Association for the Study of Liver Diseases) war die Therapieindividualisierung der Hepatitis C. Der IL28B-Genotyp wurde beschrieben als robuster prätherapeutischer Prädiktionsmarker sowohl in der PEG-IFN/Ribavirin- als auch in der Triple-Therapie des HCV-Genotyps 1 (Empfehlungsgrad 2a, LOE b). Bei HIV/HCV-Genotyp 1-Koinfektionen zeigten Patienten mit dem 1a-Genotyp und einem ungünstigen IL28B-Genotyp das schlechteste (lowest response) und Patienten mit dem 1b-Genotyp und dem günstigen IL28B-Genotyp das beste Therapieansprechen. Einer Publikation des Clinical Pharmacogenetics Implementation Consortiums (CPIC) von 2014 können Therapieempfehlungen für PEG-IFN-alpha + RBV bzw. Protease-Inhibitor + PEG-IFN-alpha + RBV in Bezug auf den IL28B-Genotyps entnommen werden.

 

Risiko-Stratifizierung von Patienten mit akuter oder chronischer Hepatitis C-Infektion

Günstige Prognosefaktoren für das Therapieansprechen bei einer Hepatitis C-Infektion sind außer den Genotypen 2 und 3, das weibliche Geschlecht, Alter unter 40 Jahre und niedrige Ausgangsviruslast (<6x105 IU/ml). Fortgeschrittene Leberfibrose, hepatische Steatose, Adipositas, Diabetes und Koinfektionen verringern die Erfolgsaussichten.

Die Kenntnis des IL28B-Genotyps kann neben der frühen Viruskinetik nach Therapiebeginn sowie diesen etablierten wirtsspezifischen und virusabhängigen Prädiktoren bei therapeutischen Entscheidungen hilfreich sein.

 

Mögliche Indikationen der IL28B-Genotypisierung

1. bei einer akuten Hepatitis C-Infektion

  • für die Vorhersage des natürlichen Verlaufs

  • als Entscheidungshilfe über die Notwendigkeit einer antiviralen Therapie bzw. die Wahl des optimalen Zeitpunkts des Therapiebeginns (früher Einsatz beim ungünstigen Genotyp / Vermeidung von unnötigen Therapien bei Trägern des günstigen Genotyps)


2. bei einer chronischen Hepatitis C-Infektion

  • für die Abschätzung des Therapieerfolgs vor oder während der Therapie (lead-in Phase)

  • als Entscheidungshilfe für die individuelle Anpassung der Therapie-Dosis und -Dauer und den optimalen Zeitpunkt des Therapiebeginns (niedrigere Dosierung beim Responder-Genotyp, späterer Einsatz beim ungünstigen Genotyp und niedriger Krankheitsaktivität)

  • bei fehlendem Ansprechen (Non-Response) oder einem Rückfall (Relapse) auf eine Vortherapie als Entscheidungshilfe über Wiederholung der Standardtherapie oder Durchführung einer Triple-Therapie (z.B. Protease- oder Polymerasehemmer)

 

Methode

PCR + Sequenzierung (IL28B, rs12979860)

 

Probenmaterial und Anforderung

1 x kleines EDTA-Blut-Röhrchen. Postversand möglich.

Die schriftliche Einwilligungserklärung des Patienten zu allen genetischen Analysen gemäß Gendiagnostikgesetz (GenDG) ist erforderlich.

 

Abrechnung

Eine Abrechnung im kassen- und privatärztlichen Bereich ist möglich.

 

Ansprechpartner

Dr. rer. nat. Tina Stumpp

Tel: +49 (0) 711 6357-266

 

Literatur

1. Thomas et al. Nature 2009;461:798-801

2. Ge et al. Nature 2009;461:399-401

3. Vispo et al. J Clin Virol. 2012;55(1):58-61

4. Muir et al. Clin Pharmacol Ther. 2014;95(2):141-146

 

 

 

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