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Letzte Aktualisierung:
08.09.2015

Enterovirusinfektionen

Erreger

Die bekanntesten Vertreter der Gattung Enterovirus sind Polio-, Coxsackie- und Echoviren. Sie umfassen mehr als 100 Serotypen und sind in die 4 Spezies Humanes Enterovirus A, B, C und D unterteilt [www.picornaviridae.com]. In der jeweiligen Saison herrschen meist ein bis drei Typen vor (Tabelle 1) [7].




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Krankheitsbild und Epidemiologie

Krankheitsbild: Coxsackie- und Echoviren sind für eine Vielfalt von Krankheitsbilder verantwortlich: Hohes Fieber, Myalgie, Meningitis, Fazialisparese, Exanthem, Myokarditis, Bronchitis, Pneumonie, Herpangina, Hand-Fuß-Mund-Krankheit, Gastroenteritis, u. a. [4].

Saisonalität: Jahreszeitlich bedingte Häufungen von Juli bis Oktober [3, 7].

Altersverteilung: Kinder erkranken häufiger als Erwachsene. Neugeborene sind besonders gefährdet. Bei Neugeborenen von Müttern mit akuter Infektion kurz vor der Entbindung können schwere neonatale Erkrankungen auftreten wie Sepsis, Meningoenzephalitis, Myokarditis, Hepatitis, Koagulopathie [2,4].

Inkubationszeit: 7-14 Tage (2-35 Tage sind möglich) [4].

Virusausscheidung: 1 bis 3 Monate [1, 3].




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Labordiagnostik

Die Enteroviren vermehren sich im Darmepithel. Infizierte Personen scheiden die Erreger langfristig in großen Mengen mit dem Stuhl aus und kurzfristig und weniger über die Schleimhäute des Nasen-Rachenraumes. Deshalb basiert die Labordiagnostik einer Enterovirusinfektion vorrangig auf dem Erregernachweis in einer Stuhlprobe unabhängig von der Art der Erkrankung. Erregernachweis in Rachenabstrich und Bläscheninhalt kann zusätzlich durchgeführt werden. Dabei ist die Enterovirus-RT-PCR die sensitivste und aussagekräftigste Methode (Dauer 24 h). Die Virusisolierung in Zellkultur stellt eine Alternative dar (Schnellkultur-Dauer 48 h) und kann zur Virustypisierung verwendet werden. Bei Meningitis in der akuten Krankheitsphase (3–4 Tage) erfolgt der Erregernachweis mittels der Enterovirus-RT-PCR im Liquor. Zusätzlich, insbesondere wenn die Proben später abgenommen wurden, sollte eine Enterovirus-RT-PCR im Stuhl durchgeführt werden [8].

Differentialdiagnostik bei ZNS-Infektionen und peripheren Paresen:  Borrelien- und ggf. FSME-Diagnostik.

 

Bei V.a. Enterovirusinfektion bitte einsenden:

Erkrankung 
Liquor 
Stuhl 
Rachenabstrich 
Bläscheninhalt 
Meningitis 
 
 
Gastroenteritis, Exanthem, Myalgien, Myokarditis 
 
 
Herpangina und Hand-Fuß-Mund-Krankheit 
 
Bronchitis, Pneumonie 
 
 

Prophylaxe

Enteroviren sind fäkal-oral übertragene Erreger. Die Prophylaxe erfolgt durch gründliches Händewaschen und ggf. Desinfektion. Wie bei allen unbehüllten Viren sollten viruzide Desinfektionsmittel eingesetzt werden.
Wichtigste Maßnahme zum Schutz vor Erkrankungen durch Polioviren ist die Impfung. Für andere Enteroviren stehen keine Impfstoffe zur Verfügung [4].

Überwachung

In Deutschland trat der letzte einheimische Poliofall 1990 auf; 1992 kam es noch zu zwei Erkrankungen durch importierte Poliowildviren (aus Indien und Ägypten). Um importierte Poliofälle schnell zu entdecken und geeignete Kontrollmaßnahmen einleiten zu können, fordert die WHO von allen Mitgliedsstaaten geeignete Überwachungssysteme. Seit 1997 nimmt Deutschland aktiv am Programm der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Polioeradikation teil. Das RKI betreut dieses Enterovirus-Überwachungssystem, das auf der Erfassung und Labordiagnose von viralen Meningitiden/Enzephalitiden durch Erregernachweis basiert. Durch diese Untersuchungen können auch Polioviren erfasst werden. Labor Enders nimmt an diesem Surveillence-Programm teil [5, 6].

Literatur:

1. Chung PW, Huang YC, Chang LY, Lin TY, Ning HC. Duration of enterovirus shedding in stool. Microbiol Immunol Infect. 2001 Sep;34(3):167-70.

2. Goodman K, Garcia S, Paul A. Enterovirus and the neonate: controversies in the diagnosis and management of potentially lethal infections. Pediatric Emergency Medicine Practice 2009; 6( 3).

3. Kogon A, Spigland I, Frothingham TE, Elveback L, Williams C, Hall CE, Fox JP. The virus watch program: a continuing surveillance of viral infections in metropolitan New York families. VII. Observations on viral excretion, seroimmunity, intrafamilial spread and illness association in coxsackie and echovirus infections. Am J Epidemiol 1969; 89(1):51-61.

4. Robert Koch-Institut, Diedrich S,. Infektionen durch Enteroviren 1. Coxsackie-Virus-Infektionen 2. Echo-Virus-Infektionen. Kompendium Infektiologie & Infektionsschutz H. Hoffmann GmbH Verlag 2009 Herausgeber: Kiehl W.

5. Robert Koch-Institut, Bundesweite Enterovirus-Surveillance im Rahmen der Polioeradikation: Ergebnisse aus den ersten vier Projektjahren. Epidemiologisches Bulletin, 2010; 1(1-4).

6. Robert Koch-Institut, Europa 10 Jahre nach Zertifizierung der Poliofreiheit. Epidemiologisches Bulletin, 2012; 25(1-2).

7. Roth B, Enders M, Arents A, Pfitzner A, Terletskaia-Ladwig E. Epidemiologic aspects and laboratory features of enterovirus infections in Western Germany, 2000-2005. J Med Virol 2007; 79(7):956-62.

8. Terletskaia-Ladwig E, Meier S, Hahn R, Leinmüller M, Schneider F, Enders M. A convenient rapid culture assay for the detection of enteroviruses in clinical samples: comparison with conventional cell culture and RT-PCR. J Med Microbiol. 2008 Aug;57(Pt 8):1000-6.

Weitere Informationen: Prof. Dr. med. Gisela Enders (0711/6357-120), Dr. med. Martin Enders (0711/6357-117), Dr. med. Elena Ladwig (0711/6357-253)

 

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Enterovirusinfektionen
Erreger
Krankheitsbild und Epidemiologie
Labordiagnostik
Bei V.a. Enterovirusinfektion bitte einsenden:
Prophylaxe
Überwachung
Literatur:

Weitere Informationen zum Thema "Enterovirus":

Enterovirusnachweis in der aktuellen Saison