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Letzte Aktualisierung:
04.04.2012

Empfehlungen zum Gestations-Diabetes-Screening in der Schwangerschaft


Die Inzidenz des Gestationsdiabetes hat in den letzen Jahren stark zugenommen. Mittlerweile schätzt man, dass ca. 7-10% der Schwangeren in Deutschland betroffen sind.

Zudem werden  durch verbesserte Diabetes-einstellung, eine höhere Lebenserwartung und einen generell späteren Schwangerschaftseintritt  auch immer mehr Typ I- und Typ II-Diabetikerinnen schwanger.

Im Rahmen der HAPO-Studie [1] (Hyperglycaemia and adverse pregnancy outcome) wurde bei 23116 Schwangern ein Glucosetoleranztest mit 75 g durchgeführt. Die Blutzuckerwerte des oGTT (nüchtern, nach 1 h und nach 2 h) wurden in 7 Kategorien eingeteilt und folgenden Parametern gegenübergestellt:

  • fetale Makrosomie
  • C-Peptid im Nabelschnurblut
  • primäre Kaiserschnittrate
  • neonatale Hyperglykämie

Ergebnisse der HAPO-Studie

Es gibt keinen Schwellenwert, d.h. die kindlichen Komplikationen nehmen mit steigenden mütterlichen BZ-Werten kontinuierlich zu. Neue Grenzwerte orientieren sich nicht mehr am mütterlichen Risiko, sondern am kindlichen Outcome.

Ein Gestationsdiabetes liegt bereits vor, wenn ein Wert auffällig ist. Der Begriff „Glucose-Toleranzstörung“ sollte für Schwangere nicht mehr verwendet werden.

Da die Insulinresistenz bei jeder Schwangeren im Laufe der Schwangerschaft zunimmt, ist der oGTT besonders kritisch zu beurteilen, wenn er bereits im 1. Trimenon durchgeführt wurde.

Schwangere, die zu diesem Zeitpunkt im oberen Normbereich liegen, werden mit großer Wahrscheinlichkeit im 2. Trimenon einen Gestations­diabetes entwickeln, hier sollte frühzeitig interveniert werden (zunächst diätetische Beratung und Kontrollen).

Der Glucosetoleranztest mit 50 g hat zweifelsohne den Vorteil, dass die Patientin nicht nüchtern in die Praxis kommen und nur eine Stunde warten muss, aus unserer Sicht ist er aber durchaus kritisch zu werten:

Bei auffälligem oder grenzwertigem Ausfall (eine Stunde nach Belastung > 140 mg/dl) wird die Durchführung des “großen” oGTT empfohlen, da nur dieser – laut Leitlinie – für die Diagnosestellung „Gestationsdiabetes“ zugelassen ist. Zu diesem zweiten Test werden nach aktueller Literatur1) ca. 40% der Patientinnen einbestellt.

Ein zweiter Test bedeutet eine erneute Glucosebelastung für den Feten und in einigen Fällen auch eine Glucosebelastung für Gestations-diabetikerinnen, was absolut kontra­indiziert wäre.

Im Praxisalltag kann es in einigen Ausnahmefällen von Vorteil sein, beim 75 g oGTT nur den nüchtern-BZ und den 1 h-Wert zu bestimmen. Bei dieser Verfahrensweise werden allerdings die Gestationsdiabetikerinnen übersehen, die ausschließlich im 2 h-Wert auffällig wären, dies betrifft ca. 2% der Fälle1).

Für Deutschland gelten jetzt folgende Empfehlungen:

Der oGTT soll nur noch mit 75 g Glucose in der 24.-28.SSW, bei Risikopatientinnen schon im 1. Trimenon, durchgeführt werden.

Grenzwerte des oGTT mit 75g Glucose

Nüchtern:

92 mg/dl

1h

<180 mg/dl

2h

<153 mg/dl

Therapieempfehlungen bei Gestationsdiabetes:

Liegt ein Gestationsdiabetes vor, kann zunächst eine diätetische Einstellung versucht werden. Bei mangelndem Erfolg sollte nach 2-4 Wochen eine Insulintherapie begonnen werden.

Zielwerte unter Therapie

Nüchtern:

60-90 mg/dl

1h postprandial

140 mg/dl

2h postprandial

120 mg/dl

Material/Kosten:

3 x 0,5 ml NaF-Blut

3 x € 2,33 (GOÄ: 3560)

Literatur:

[1] Metzger B. et al.: Hyperglycemia and adverse pregnancy outcomes. NEJM 2008;358:1991-2002

 

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