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Letzte Aktualisierung:
28.09.2012

ANCA-Stufendiagnostik



Antineutrophile cytoplasmatische Antikörper (ANCA) spielen eine bedeutende Rolle in der Diagnostik von systemischen Vaskulitiden und chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen.

Sie werden zum Teil auch bei Erkrankungen der Leber und des rheumatischen Formenkreises so wie bei medikamentös induzierten Vaskulatiden und Infektionen beobachtet [Reviews: Erwig 2010, Radice 2005 und Hoffman 1998].

Immunfluorezenztest

Der Nachweis von ANCA erfolgt durch den indirekten Immunfluoreszenztest (IFT) auf alkohol-fixierten humanen Granulozyten. Die p-ANCA sind in der Immunfluoreszenz nur schwer von Antikörpern gegen Zellkerne (ANA) zu unterscheiden. Um das Vorliegen von erhöhten ANA auszuschließen wird als weiteres Substrat Primatenleber eingesetzt. ANA erkennt man durch Fluoreszenz der Zellkerne der Hepatozyten. ANCA reagieren nur mit den in Sinusoiden enthaltenen Granulozyten. Zwei verschiedene Fluoreszenzmuster werden auf Granulozyten aufgrund des Zielantigentyps, dessen Ladung und Verteilung, beobachtet: ANCA reagieren entweder mit cytoplasmatischen (c-ANCA) oder perinukleären Antigenen (p-ANCA). Besteht ein Mischbild aus c- und p-ANCA, wird auch von atypischen p-ANCA oder x-ANCA gesprochen. Auf dem vierten Internationalen ANCA-Workshop im Mai 1992 wurde aber entschieden, diese x-ANCA-Fluoreszenzmuster nicht gleichberechtigt neben die c- und p-ANCA-Muster zu stellen, sondern sie weiterhin zu den p-ANCA zu zählen [Gross 1993].

Entsprechend der Nomenklatur der internationalen Konsensus-Erklärung zur ANCA-Untersuchung und -Befunderstellung werden vier Fluoreszenzmuster unterschieden [Savige 1999]:

 

Fluoreszenzmuster

c-ANCA für cytoplasmatische Fluoreszenz 
atypische c-ANCA für andere cytoplasmatische Fluorezenzmuster (z. B. homogen) 
p-ANCA für perinukleäre Fluoreszenz oder "Granulozyten-spezifische nukleäre Fluoreszenz" 
atypische p-ANCA für andere Fluoreszenzmuster (z. B. ein Mischbild aus p- und c-ANCA) 

EIA

Das Hauptantigen für c-ANCA ist die Proteinase 3 (PR3). P-ANCA sind vorrangig gegen Myeloperoxidase (MPO) gerichtet. In seltenen Fällen können PR3-positive Seren eine p-ANCA-typische Fluoreszenz verursachen. Einem positiven ANCA-Befund im IFT muss unbedingt die Bestimmung der AK-Spezifität mittels PR3- und/oder MPO-EIA folgen, da diese Autoantikörper für die Diagnose und Verlaufskontrolle der Vaskulitiden, vor allem der Wegenersche Granulomatose, der mikroskopischen Polyarteriitis und des Churg-Strauss-Syndrom, wichtig sind. Der IFT ist sensitiver als der EIA [Trevisin 2008]. Obwohl wir in unserem Labor einen sensitiven "capture" PR3-ELiA verwenden [Villalta 2004, Damoiseaux 2005], konnten wir in  c-ANCA-positiven Seren PR3-AAK erst ab einem Titer von 1:20 nachweisen. Das gleiche gilt für MPO-AAK. Außer MPO konnten Elastase, Kathepsin G, Laktoferrin, Lysozym und BPI (permeability-increasing protein) als weitere Zielantigene für p-ANCA identifiziert werden. Diese Antikörperspezifitäten können ebenfalls mittels EIA bestimmt werden. Die genaue p-ANCA-Spezifität hat aber keine klinische Relevanz. Zum Beispiel wurden bei Patienten mit Colitis ulcerosa p-ANCA gegen BPI, Kathepsin, Elastase, Lactoferrin und selten MPO beschrieben [Folwaczny 1998]. Bei bis zu 50 % aller ANCA-positiven Seren bleibt das Zielantigen unklar.

Hochtitrige antinukleäre Antikörper (ANA) in der Patientenprobe erschweren die Diagnostik von p-ANCA, da die ANA-Fluoreszenz das Fluorezenzmuster der p-ANCA maskiert. In einem solchen Fall ist der Ausschluss von p-ANCA nur mittels des oben genannten EIA möglich.

 

Krankheitsassoziationen mit ANCA

Fluoreszenzmuster: cANCA (Antigen: PR3)

Krankheit 
Prävalenz 
Wegenersche Granulomatose  
90 % 
Mikroskopische Polyarteriitis 
45 % 
Churg-Strauss-Syndrom 
10 % 

 

Speziell bei der Wegener-Granulomatose korreliert der c-ANCA-Titer (PR3-AK) mit der Krankheitsaktivität. Jedoch kann, wie letzte Studien zeigen, die Therapieentscheidung nicht ausschließlich aufgrund des c-ANCA-Monitorings ohne Hinziehen des klinisches Bildes getroffen werden. C-ANCA-Titeranstiege können einer Exazerbation der Erkrankung um Wochen aber auch um Monate vorausgehen. Anderseits können c-ANCA-Titeranstiege auch ohne Rezidive stattfinden [Langford 2004].

Fluoreszenzmuster: pANCA (Antigen: MPO)

Krankheit 
Prävalenz 
Mikroskopische Polyarteriitis 
45 % 
Klassische Panarteriitis nodosa 
15 % 
Idiopathische Glomerulonephritis 
65 % 
Churg-Strauss-Syndrom 
60 % 

Fluoreszenzmuster: pANCA bei rheumatischen Erkrankungen (andere Antigene, nicht MPO)

Krankheit 
Prävalenz 
Systemischer Lupus erythematodes 
25 % 
Rheumatoide Arthritis und Vaskulitis 
20-50 % 
Sjögren Syndrom 
25 % 
Felty-Syndrom 
50 % 

Fluoreszenzmuster: pANCA bei entzündlichen Darmerkrankungen und Hepatitiden (andere Antigene, nicht MPO)

Krankheit 
Prävalenz 
M. Crohn 
5-25 % 
Colitis ulcerosa 
50-80 % 
Autoimmunhepatitis 
30 % 
Primär biliäre Zirrhose 
30 % 
Primär sklerosierende Cholangitis 
60-80 % 

Fluoreszenzmuster: pANCA bei medikamenteninduzierten Vaskulitiden (Antigen: MPO und andere)

Krankheit 
Prävalenz 
Einnahme von Propylthiouracil (PTU) 
20-64 % 

 

Viele Medikamente – vor allem das Thyreostatikum Propylthiouracil (PTU) – können zu positiven ANCA-Ergebnissen führen, selten aber zu einer Vaskulitis [Csernok 2010].

 

Bei Fragen zur Autoimmundiagnostik stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung

Dr. Elena Ladwig  (0711)6357-253, Dr. med Friedemann Tewald (0711)6357-119

 

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110 K


Literatur

Csernok E, Lamprecht P, Gross WL. Clinical and immunological features of drug-induced and infection-induced proteinase 3-antineutrophil cytoplasmic antibodies and myeloperoxidase-antineutrophil cytoplasmic antibodies and vasculitis. Curr Opin Rheumatol. 2010 Jan;22(1):43-8

 

Damoiseaux JG, Slot MC, Vaessen M, Stegeman CA, Van Paassen P, Tervaert JW. Evaluation of a new fluorescent-enzyme immuno-assay for diagnosis and follow-up of ANCA-associated vasculitis. J Clin Immunol. 2005 May;25(3):202-8

 

Erwig LP, Savage CO. ANCA-associated vasculitides: advances in pathophysiology and treatment. Neth J Med. 2010 Feb;68(2):62-7

 

Folwaczny C, Jochum M, Noehl N, Schnettler D, Loeschke K, Fricke H. p-ANCA target antigens in ulcerative colitis. Z Gastroenterol. 1998 Aug;36(8):625-33

 

Hoffman GS, Specks U. Antineutrophil cytoplasmic antibodies. Arthritis Rheum. 1998 Sep;41(9):1521-37

Langford CA. Antineutrophil cytoplasmic antibodies should not be used to guide treatment in Wegener's granulomatosis. Clin Exp Rheumatol. 2004;22(6 Suppl 36):S3-6

 

Radice A, Sinico RA. Antineutrophil cytoplasmic antibodies (ANCA). Autoimmunity. 2005 Feb;38(1):93-103

 

Savige J, Gillis D, Benson E, Davies D, Esnault V, Falk RJ, Hagen EC, Jayne D, Jennette JC, Paspaliaris B, Pollock W, Pusey C, Savage CO, Silvestrini R, van der Woude F, Wieslander J, Wiik A. International Consensus Statement on Testing and Reporting of Antineutrophil Cytoplasmic Antibodies (ANCA) Am J Clin Pathol. 1999 Apr;111(4):507-13

 

Trevisin M, Pollock W, Dimech W, Melny J, Paspaliaris B, Gillis D, Wong R, Savige J. Antigen-specific ANCA ELISAs have different sensitivities for active and treated vasculitis and for nonvasculitic disease. Am J Clin Pathol. 2008 Jan;129(1):42-53

 

Villalta D, Tonutti E, Tampoia M, Bizzaro N, Papisch W, Tozzoli R, Stella S. Analytical and diagnostic accuracy of the EliA automated enzyme fluoroimmunoassay for antineutrophil cytoplasmic autoantibody detection. Clin Chem Lab Med. 2004;42(10):1161-7

 

 

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Absätze:

ANCA-Stufendiagnostik
Immunfluorezenztest
EIA
Krankheitsassoziationen mit ANCA
"ANCA-Stufendiagnostik" als PDF
Literatur



c-ANCA






p-ANCA

Die Immunfluoreszenzbilder wurden uns freundlicherweise von der Fa. Euroimmun zur Verfügung gestellt.